Objekt des Monats – Februar 2026
Poesiealbum von Willy Arnold (1946)
In unserer Sammlung befindet sich ein unscheinbares, aber besonderes kleines Büchlein: das Poesiealbum der jungen Willy Arnold aus dem Jahr 1946. Äußerlich wirkt es wie ein gewöhnliches Kinderalbum, doch die handgeschriebenen Verse im Inneren erzählen eine einzigartige Geschichte. Zwei seeländische Kriegsfreiwillige, Lau Traas und Rinus de Schipper vom Bataillon Zeeland (14. Infanterieregiment), verewigten darin in kunstvoller Schrift ihre Wünsche und Erinnerungen für Willy. Eines der Gedichte beginnt mit „Liebe Willy“ und trägt das Datum 14. November 1946 – ein herzlicher Gruß voller Dankbarkeit an das Mädchen, das für kurze Zeit ihre Familie fern der Heimat war. Diese persönlichen Einträge atmen die Wärme und Kameradschaft, die in schweren Zeiten между Militärangehörigen und Zivilisten entstehen konnte.
Bersiap und Bataillon Zeeland
Kurz nach der japanischen Kapitulation im August 1945 brach in Niederländisch-Indien die chaotische und gewaltsame Bersiap-Periode aus. In dieser ersten Phase des indonesischen Unabhängigkeitskampfes befand sich die Familie Arnold im Internierungslager ADEK in Batavia. Anfang 1946 übernahmen niederländische Truppen – darunter das Bataillon Zeeland, gebildet aus seeländischen Kriegsfreiwilligen – die Bewachung des Lagers von den japanischen Wachen. Damit lag die Sicherheit von Familien wie den Arnolds in den Händen dieser jungen Soldaten, mitten im unruhigen Übergang von Besatzung zur Unabhängigkeit.
Gastfreundschaft und Erinnerung
Nach den ersten unruhigen Monaten durften Jan und Annie Arnold mit ihren Töchtern Marianne und Willy in ihr Haus zurückkehren. Dort empfingen sie die Soldaten, die sie im Lager kennengelernt hatten, mit offenen Armen. In ihrem Wohnzimmer zog ein Jogjakarta-Silberteeservice auf einer Kampferholztruhe sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Während ihrer Besuche schrieben einige der Soldaten, darunter Lau Traas und Rinus de Schipper, liebevolle, selbst verfasste Verse in die Poesiealben der Mädchen. Fotos, Zeichnungen und Texte in Willys Album zeugen von der warmen Verbindung, die zwischen Zivilisten und Befreiern entstand.
Ein bleibendes Band
1947 kehrte die Familie Arnold vorübergehend in die Niederlande zurück. Frau Arnold besuchte die Mütter der befreundeten seeländischen Soldaten, um sie über ihre Söhne zu beruhigen. Die Verbindung blieb eng: 1948 verbrachten Marianne und Willy einige Zeit bei der Mutter von Rinus de Schipper in Zeeland. Als Zeeland 1953 von der Sturmflutkatastrophe getroffen wurde, schickte Frau Arnold aufmunternde Briefe aus Niederländisch-Indien. 1958 kehrte die Familie endgültig in die Niederlande zurück — mit dem geliebten Teeservice im Gepäck. Jahre später schenkte Tochter Schaap-Arnold es dem Bevrijdingsmuseum Zeeland. Zusammen mit Willys Poesiealbum bilden diese Gegenstände greifbare Erinnerungen an eine Freundschaft in bewegten Zeiten.